Der aktuelle Stand
Das District Hospital Tellippalai wurde 1975 als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung erbaut, verfügte damals über 340 stationäre Betten und war somit das drittgrößte Krankenhaus im Distrikt Jaffna. Am Krankenhaus sind zur Zeit die Abteilungen Geburtshilfe mit Familienplanung, Innere Medizin mit Diabetologie und Rheumatologie, Kinderheilkunde, Zahnheilkunde und Psychiatrie sowie eine Krebsstation. Zudem wird über Ambulanzen und Spezialambulanzen die Bevölkerung „hausärztlich“ versorgt.
Das Einzugsgebiet des Hospitals umfasst die Region Tellippalai mit zur Zeit ca. 320.000 Einwohnern, die angeschlossene Krebsstation versorgt die gesamte Nordprovinz Sri Lankas mit einem Einzugsgebiet von ca. 1.200.000 Menschen.
Unglücklicherweise wurde das Hospital im Jahre 1990 während der Bürgerkrieges komplett zerstört und demzufolge im Jahre 1991 in andere Gebäude übersiedelt, wo die medizinische Versorgung indes mit limitierten Möglichkeiten und einer auf ca. 100 reduzierten Bettenzahl aufrecht erhalten wird. Inzwischen wurde seitens des Gesundheitsministeriums Sri Lanka entschieden, das zerstörte Hospital zu rekonstruieren und an der früheren Stelle neu zu eröffnen.
Einige Gebäude wurde zwischenzeitlich fertiggestellt, die bauliche Rekonstruktion des gesamten Hospitals ist für das Jahr 2006 vorgesehen. Für die Innenausstattung der neuen Gebäude sind keine Gelder vorhanden, dringend erforderliche Geräte wie z.B. für OP, Kreißsaal, Blutbank, Labor etc. können nicht angeschafft werden.
Während unseres Besuches in Tellippalai im Oktober 2005 konnten wir uns vor Ort von der Situation im District Hospital Tellippalai ein Bild machen. Während die rekonstruierten Gebäude in sehr gutem Zustand sind, war die Situation in den Übergangsgebäuden erschreckend. Der bauliche Zustand ist sehr schlecht, die Einrichtung wie Betten, Matratzen, Schränke, medizinisches Gerät in erbarmungswürdigem Zustand. Ein Hauptproblem ist zudem die personelle Besetzung im Bereich der Mediziner, aber auch der Pflege. Es werden z.B. ÄrztInnen aus dem Ruhestand geholt, um den laufenden Betrieb einigermaßen aufrecht erhalten zu können.
Nach über 20 Jahren Bürgerkrieg zwischen Singhalesen und Tamilen und einem seit ca. 4 Jahren bestehenden brüchigen Waffenstillstandsabkommen hat die Tsunami-Katastrophe das Land hart getroffen. Zu den ca. 70.000 Toten des Konfliktes sind mehr als 30.000 Tsunami-Opfer hinzugekommen. Die meisten Wohnhäuser auf der Halbinsel Jaffna sind zerstört, die Infrastruktur (Straßenbau, Müllabfuhr, Schulen, Kindergärten, Gesundheitswesen, ...) hat anhaltende Störungen zu verkraften.
Weil die peripheren Krankenhäuser im Distrikt Jaffna nicht den benötigten Standard erreichen, ist die Universitätsklinik Jaffna, das einzige Krankenhaus der Maximalversorgung in dieser Region, hoffnungslos überfüllt und muss die Aufgaben der peripheren Krankenhäuser zum Teil mitübernehmen. Das Gesundheitswesen im Norden Sri Lankas ist demzufolge unterentwickelt. Große Teile der Bevölkerung sind medizinisch unterversorgt.