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Politik und Geschichte von Sri Lanka


Sri Lanka liegt an der Südspitze Indiens und ist auch als "Perle des Indischen Ozeans" bekannt. Auf einer Gesamtfläche von 65.610 qkm leben verschiedene Ethnien und Religionen zusammen. Die größte Gruppe stellen die Singhalesen mit 73,9 % der Bevölkerung. Die Tamilen-Minderheit erreicht in den nördlichen und östlichen Teilen der Insel einen Anteil von bis zu 12,7 %; die „Mohren" (Moors, Muslime) machen 7,1 % der Bevölkerung aus. Die Mehrheit der Einwohner sind Buddhisten (71 %).





Der antikolonialistische Nationalismus wurde vorwiegend von den Buddhisten unterstützt, heute ist der Buddhismus Staatsreligion. Der Hindu-Minderheit (15 %) gehören größtenteils Tamilen an. Außerdem leben im Land Muslime (7 %) und Christen (vorwiegend Katholiken, rund 7 %).

Der Buddhismus kam bereits im 3. Jahrhundert vor Christus nach Ceylon. Die aus Indien kommenden Tamilen belagerten das Land im 2. Jahrhundert vor Christus. Nach einer Zeit der Vorherrschaft über die ganze Insel werden sie in die nördlichen Teile zurückgedrängt. Zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert kommen arabische Geschäftsleute auf die Insel und führen dort auch die muslimische Religion ein.

Als erste Europäer kommen die Portugiesen im Jahr 1505 auf die Insel. Ihnen folgen die ersten Franziskaner-Missionare im Jahr 1517. 1656 kolonisieren die Holländer die Insel und beginnen mit der Verfolgung der Katholiken. 1796 besetzen schließlich die Briten das Land. Im 19. Jahrhundert gibt es erneut eine Einwanderungswelle von Tamilen aus dem indischen Bundesstaat Tamil Nadu; diese Einwanderer werden von den Kolonialherrschern insbesondere als Arbeitskräfte in den Teeplantagen eingesetzt.

1948 wird das Land unabhängig. Drei Jahre später wird die nationalistische und dem Buddhismus nahe stehende Sri Lanka Freedom Party (SLFP) gegründet, die 1956 an die Macht gelangt.

1956 findet im Land eine politische Wende statt: mit der Zunahme der Nationalisten werden Christen, bei denen es sich vorwiegend um Europäer handelt, mit Misstrauen betrachtet. Der einheimischen Kultur, Sprache und dem Brauchtum wird große Bedeutung beigemessen. Unter der nationalistischen Regierung und deren Regierungschef Salomon Bandaranaike kommt es auch zu den ersten Rassenkonflikten, die unter den Tamilen das Gefühl wecken, nicht als wesentlicher Bestandteil der Nation betrachtet zu werden. Die daraus folgenden Spannungen führen im Jahr 1958 zu den ersten heftigen Massenkonflikten. Nach Ansicht von Beobachtern entstand damals eine unüberwindbare Kluft zwischen Singhalesen und Tamilen.

Nach der Ermordung Bandaranaikes übernimmt im Jahr 1959 dessen Frau Sirimavo als erste weibliche Premierministerin der Welt sein Amt, das sie bis 1965 innehatte. Unter ihrer Regierung werden protektionistische Wirtschaftsmaßnahmen angewandt. Zwischen 1960 und 1962 werden religiöse Schulen und Institute nationalisiert.

1972 wird infolge einer nationalistischen Welle auch die verfassungsmäßige Struktur des Landes geändert: der Senat wird abgeschafft, so dass nur noch die Abgeordnetenkammer bleibt. Der Name Ceylon wird in „Republik Sri Lanka" umgewandelt, Singhalesisch wird zur Amtssprache und Buddhismus zur Staatsreligion erklärt. 1976 gründen die Tamilen die moderate Tamil United Liberation Front.

Auf dem Höhepunkt der Gewalt kommt es 1983 zu einem offenen Konflikt zwischen den beiden Ethnien, der durch die Ermordung von 13 Regierungssoldaten durch Tamilen-Rebellen ausgelöst wird. Im ganzen Land werden die Tamilen zur Zielscheibe singhalesischer Unterdrückungsmaßnahmen, so dass es zu einer Massenflucht der Tamilen in die nördlichen Landesteile kommt.

Bewaffnete Gruppen schließen sich zur Rebellenbewegung Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) zusammen und fordern einen unabhängigen Staat. Der ethnische Konflikt hat auch Auswirkungen auf den Fremdenverkehr und die Wirtschaft der Insel, die vorwiegend vom Tee- und Gummiexport getragen wird.

1987 werden nach der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen Sri Lanka und Indien (das die Tamilen unterstützt) und mit der Zustimmung der LTTE 45.000 indische Soldaten als Friedenseinheiten auf der Insel stationiert. Zwei Jahre später wird dieses Abkommen jedoch als ungültig erklärt und die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Regierungsstreitkräften und tamilischen Rebellen flammen wieder auf.


Die 1994 gewählte Staatspräsidentin Chandrika Kumaratunga (Tochter des 1959 ermordeten Regierungschefs Salomon Bandaranaike) will durch ihre Politik die Entspannung fördern. Zu diesem Zweck gründet sie auch eine Menschenrechtskommission und einen Ausschuss, der sich mit dem Problem der Vermissten befassen soll. Nach Ansicht der Staatspräsidentin findet im Land ein Kampf gegen terroristische Gruppen statt, die nicht die gesamte Tamilen-Bevölkerung vertreten. Gewalt und Auseinandersetzungen, die immer wieder aufflammen, sind auch heute noch im Gang. Gegen Waffenstillstandsabkommen wurde wiederholt verstoßen. (Quelle: Nachrichtendienst Fides)

1995 rückt die srilankische Armee auf die Jaffna-Halbinsel ein, die seit 1990 von der LTTE gehalten wurde. In der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober 1995 werden etwa eine halbe Million Zivilisten von den Rebellen gezwungen, Jaffna zu verlassen, um in südlicher gelegene Gebiete zu fliehen. Heute ist die Gegend um Mankulam wieder in den Händen der LTTE.

Anfang November 1999 beginnen die Unabhängigkeitskämpfer der LTTE mit ihrer Offensive „Welle ohne Ende" und erobern weite Gebiete in der nördlichen Region Vanni zurück, was zu großen Verlusten in den Reihen der Regierungsstreitkräfte führt: 10 Militärbasen gehen verloren und die Kämpfe fordern über 1000 Todesopfer.

Seit Dezember 1999 eskaliert der Bürgerkrieg erneut und mündet im März 2000 in die blutige Übernahme des sog. Elefantenpasses durch die Regierungstruppen, des einzigen Landzugangs auf die Jaffna-Halbinsel. Die militärischen Auseinandersetzungen führen wiederum zu Fluchtbewegungen. Zwischen 2001 und 2006 existierte ein Waffenstillstand zwischen den Kriegsparteien, ohne dass es zu einer stabilen politischen Lösung gekommen wäre.

Nach dem Scheitern der Friedensverhandlungen im Februar 2006 flammte der Bürgerkrieg wieder auf. Im weiteren Verlauf der Kämpfe wurde die LTTE durch die sri-lankische Armee immer weiter zurückgedrängt und letztlich am 16. Mai 2009 von Präsident Mahinda Rajapaksa für besiegt erklärt, womit der Bürgerkrieg offiziell beendet wurde.

Auch nach Beendigung des Bürgerkriegs kann eine Fortsetzung des Guerilla-Krieges durch die LTTE nicht ausgeschlossen werden. Anschläge sind landesweit weiter möglich.
( Quelle: www.humedica.org, Karte: www.wikipedia.org )


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